Mach’s wie Norma

„Mach`s wie Norma – So habe ich das recht auf Ungehorsam gewählt“

„Mach‘s wie Norma!“ ist in Italien ein geflügeltes Wort, wenn es um zivilen Widerstand geht. Ähnlich wie die klassische Antigone widersetzte sich die junge Norma Parenti geltendem (Un-)Recht und barg in den letzten Kriegstagen den Leichnam eines erschossenen Partisanen, den die Faschisten auf dem Marktplatz der toskanischen Kleinstadt Suvereto zur Abschreckung abgelegt hatten. Norma war 23 Jahre alt und seit kurzem Mutter.

Sie verteilte für die Partisanen Flugblätter, die zur Rebellion aufriefen, transportierte Munition und Essen versteckt im Kinderwagen ihres Kindes und rief Soldaten zum Desertieren auf. Als die Faschisten die Leiche des jungen Partisanen Radi auf dem Marktplatz liegenließen, zögerte Norma nicht, den Leichnam zu seiner Familie zu bringen. Kurz danach, in der Nacht vor dem endgültigen Rückzug der faschistischen Truppen aus dem Dorf, wurde Norma verhaftet, gefoltert und umgebracht.

In unserem Theaterstück lebt die Geschichte von Norma wieder auf. Die Aktualität ihres Schicksals wird hier dargestellt. Normas Worte erzählen von den diversen Facetten einer von Diktatur geprägten Gesellschaft. Sie stellen das Leben einer Gemeinschaft vor, sprechen den Wunsch nach Gerechtigkeit und Freiheit aus, erzählen von Freundschaft, Zusammenhalt und der Entscheidung, sich gegen das Unrecht zu stellen.

Für das Stück hat die Autorin sich durch Fotos, Schriften und Gesprächsaufzeichnungen aus dem Familiennachlass gearbeitet. Das wurde ermöglicht durch die jahrelange Freundschaft mit dem Sohn Normas, Alberto.

Antigone steht Norma als „gemeisamschwesterliche“ Figur zur Seite, sie ist nur als Stimme anwesend. Die zeitlosen Worte der Hölderlinschen Übersetzung verleihen ihrer Stimme die Funktion eines Echos aus der Zeitlosigkeit, einer Prophezeiung und gleichzeitig eines Aufrufs für die Zukunft. Eine Musikerin ist auf der Bühne präsent und baut mit ihrem Instrument die Brücke zwischen den Jahrtausenden.

Zum Ensemble gehören für diese Produktion Laura Conte (Text, Regie und Schauspiel) und Noemi Fulli (Schauspiel). Dazu nehmen an der Arbeit Helge Noack (Hölderlintexte und Stimme) und Cornelia Maas (Musik) sowie Moni Weber (Technik) teil.

Seit April 2021 wurde das 45minütige Stück über 20 Mal in den  eigenen Räume in der Haaggasse 35 in Tübingen aufgeführt. Aufgeführt wurde es zudem in Rottenburg, in der Synagoge in Hechingen und open air in Reutlingen, in der Kapelle des Evangelischen Stiftes, Tübingen.

„Die Haltung Parentis tritt aus dem historischen Kontext heraus und wird zur zeitlosen Wahrheit“

Schwäbisches Tagblatt, 12.04.21

Die Produktion wurde durch die Unterstützung der Stadt Tübingen (Fachbereich Kunst und Kultur) und der Bürgerstiftung Tübingen möglich gemacht.

Bildrechte © MasckaraTheater, Foto: Fany Fazi

Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. ©Fazi
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. ©Fazi
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. ©Fazi
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. ©Fazi
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. ©Fazi
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. ©Fazi
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. Evangelisches Stift – Kapelle , Tübingen ©Hamida Haziz
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. Evangelisches Stift – Kapelle , Tübingen ©Hamida Haziz
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. Evangelisches Stift – Kapelle , Tübingen ©Hamida Haziz
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. Evangelisches Stift – Kapelle , Tübingen ©Hamida Haziz
Mach’s wie Norma: so habe ich das Recht auf Ungehorsam gewählt. Evangelisches Stift – Kapelle , Tübingen ©Hamida Haziz